Friedhof Bichwil neu gestaltet Seite Drucken

12. November 2020
Der Gemeindefriedhof in Bichwil wurde im Oktober umfassend umgestaltet. Die Arbeiten konnten rechtzeitig vor Allerheiligen abgeschlossen werden. Der Friedhof präsentiert sich jetzt als würdigen Ort der Stille für Verstorbene und Hinterbliebene. Das bisherige anonyme Gemeinschaftsurnengrab wurde ergänzt mit einem «Gemeinschaftsurnengrab mit Namensnennung».

Optisch wurde auf dem Friedhof in Bichwil einiges verändert. Die Wege wurden angepasst, Randabschlüsse erstellt und neu eingekiest. Durch die alten und teilweise wuchtigen Thujapflanzen war unter anderem das Eingangstor sowie das Kreuz auf der gegenüberliegenden Seite verwachsen. Ein drastischer Rückschnitt war nicht möglich, da diese Pflanzen nicht mehr nachwachsen würden. Aus diesem Grund wurden sämtliche Thujasäulen und –hecken durch Eiben ersetzt. Während den Sanierungsarbeiten wurde zudem festgestellt, dass sich im Verlauf der Jahre das Terrain auf der Nord- und Ostseite des Friedhofs abgesenkt hatte. Zur Sicherung des Terrains wurden Quadersteine eingebaut. Im Frühling wird im Eingangsbereich noch eine Blumenwiese eingesät.

Gemeinschaftsurnengrab mit Namensnennung
Wie auf dem katholischen und evangelischen Friedhof in Oberuzwil besteht neu auch auf dem Gemeindefriedhof in Bichwil die Möglichkeit einer Urnenbestattung im Gemeinschaftsurnengrab mit Namensnennung. Die beiden von Jan Kaeser gestalteten Grabzeichen zeigen eine Silhouette, abgeleitet von der Form eines Blumenstrausses und angelehnt an die Formen von Apfel-, Feigen- und Olivenbaum. Die «Blüten» oder «Früchte» werden mit gelben, grünen und roten runden Gläsern dargestellt, die jeweils mit den Namen der in diesem Gemeinschaftsurnengrab beigesetzten Verstorbenen einzeln beschriftet werden. Die Mitarbeiterinnen des Bestattungsamtes stehen bei Todesfällen gerne beratend zur Seite.

GUG

Neuer Abdankungsplatz
Bisher mussten Abdankungsfeiern auf der Wiese abgehalten werden. Neu wurde – auf der Friedhofquerachse, gegenüber vom Gemeinschaftsurnengrab – ein eingekiester Abdankungsplatz mit Schriftzeichen und Sitzbank gestaltet. Sollte dieser bei grossen Trauergemeinschaften nicht ausreichen, kann die angrenzende Wiese mitbenutzt werden. Oberhalb der Sitzbank weist ein Sinnspruch auf den Ort, die Endlichkeit und den Lebenskreislauf hin.

Abdankungsplatz

Schlichtes Erscheinungsbild
Um den würdevollen Charakter des Friedhofs zu unterstreichen, legt die Gemeinde Wert auf ein einheitlich schlichtes Erscheinungsbild. Individueller Grabschmuck jeglicher Art sowie Pflanzen und Blumen sind beim Gemeinschaftsurnengrab – wie bei der Urnenwand – maximal während drei Monaten nach der Beisetzung gestattet. Die neue Gedenkstätte soll sich mit der künstlerischen Gestaltung harmonisch in das Gesamtbild des Friedhofs einfügen. Der Friedhofgärtner ist beauftragt, diese Vorgabe umzusetzen und allfällige Pflanzen oder Gegenstände abzuräumen.

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DA SEIN
Der St. Galler Kunstschaffende Jan Kaeser hat die neuen Grabzeichen entwickelt. Ein Auszug aus seinen Überlegungen:

Die grafisch reduzierten Silhouetten sind abgeleitet von der Form eines Blumenstrausses oder Strauchs, angelehnt an die Formen von Apfel-, Feigen- und Olivenbaum. Die 20 runden Glasformen (Früchte/ Blüten) bestehen aus farbigen Gläsern, die beschriftet werden können. Die Glasfarben sind Gelb, Grün und Rot. Die weisse Schriftfarbe ist auch aus Distanz gut lesbar. Im Kontrast zur hellgrauen, vertikalen Steinstele im Zentrum und durch die leichte Neigung nach aussen wirken die beiden etwas dunkleren Zeichen als leichte, flügelartige und zurückhaltende Ergänzung zum Mittelstein.

Bedingt durch den Standort vor der Hecke am Friedhofrand wurde das Zeichen als Relief gestaltet. Die Pflanzenstruktur der Frontsilhouette wurde übernommen und als zweite Fläche wie ein künstlicher Schatten dahinter gestellt. Geht man vorüber, scheinen sich die Stiele und Blätter leicht zu bewegen.

Das Zeichen mit dem Sinnspruch oberhalb der Sitzbank beim Abdankungsplatz verschmilzt Kreisbogen und Schrift zu einem Objekt, das zum Innehalten anregen soll. Die beiden Worte DA und SEIN, im Kreis integriert, weisen auf den Ort, die Endlichkeit und den Lebens-Kreislauf hin. Sie beziehen die Lebenden wie auch die Verstorbenen mit ein. Das Nachdenken über das SEIN ist ein innerer Vorgang. Darum befindet sich das Wort SEIN im Innern des Kreises. Das Gewahrwerden des DA ist und wird von aussen bedingt. Deshalb befindet sich das Wort DA aussen auf dem Kreisbogen. Bei beiden Wörtern ist eine optische Verbindung zu dem jeweils anderen Raum sichtbar – sie stehen so miteinander in einem Dialog.

Bei Sonnenlicht entsteht auf der Holzwand ein Schattenspiel und bildet so einen Bezug zur Silhouetten-Thematik des Grabzeichens gegenüber.